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Jüdisches Leben in Gunzenhausen

Sabrina Höfler, Anna Matthes und Johannes Kolb

Die Geschichte des Hauses Bühringerstraße  5


Das Haus Bühringerstraße 5 heute

 

Baujahr:

vor 1891

Bauherr:

Wahrscheinlich die jüdische Familie Bergmann

Besitzerwechsel:

Um 1891 Leonhard Mößner, Lehrer
1896 Callmann Levi baut mit seiner Frau Bertha Strauß eine Bäckerei am Wohnhaus, Gewerbeanmeldung am 24.11.1896
1899 Aufgabe der Bäckerei
Anmeldung vom 30.06.1899: Bazar oder gemischtes Warengeschäft und Mehlhandel
1918 geht das Haus an den Sohn Benno Levi und seine Frau Gisela, geb. Schloßberger. 
Sie führen bis zur Arisierung ein Spezialgeschäft für Schuhe und Leder.
1934 - 1936 wird Franz Flurschütz der neue Besitzer und führt das Geschäft als Leder-, Schuh- und Sportartikelgeschäft weiter.
24.05.1938 wird das Haus an den Metzger Georg Knöller verkauft
1955 - 1966 Haushaltswaren-, Textilien- und Lebensmittelgeschäft der Konsumgenossenschaft Mittelfranken. Dieses wird 1966 in der Bahnhofsstraße 7 weitergeführt.
Vermutlich von 1966 bis 1969 führt Otto Mlejnek ein Einzelhandelsgeschäft mit Daunensteppdecken und Bettwaren.

Quelle: Häuserregister der Stadt Gunzenhausen

Die Geschichte der Familie Levi


Benno, Bianka und Gisela Levi
© Familie Heinebach, Haifa, Israel

Benno Levi wurde am 03.07.1895 in Basel als Sohn des Kaufmanns Callmann Levi und dessen Frau Bertha geboren. Schon ein Jahr später zogen seine Eltern nach Gunzenhausen, wo sich sein Vater als Kaufmann niederließ. 

Benno Levi heiratete Gisela Schloßberger und betrieb in seinem Elternhaus in der Bühringerstraße 5 ein Spezialgeschäft für Schuhe und Lederwaren.

Das Ehepaar hatte eine Tochter

Bianka * 16.12.1925

Mit im Haus lebten noch seine Eltern Callmann und Bertha Levi. Seine Schwester Julie hatte 1919 den Handelsagenten Salomon Fallmann aus Mühlheim a. d. Ruhr geheiratet. Sie muss während des Krieges umgekommen sein, denn sie wurde zum 31.12.1945 für tot erklärt.

Benno Levi meldet am 05.10.1934 sein Schuh- und Lederwarengeschäft ab und verlässt mit seiner Familie schon am 22.02.1935 Gunzenhausen. Kurz danach wird seine Mutter Bertha in die Heil- und Pflegeanstalt Ansbach eingewiesen, doch 1936 wandert sie nach Palästina aus.


Bühringerstraße 5 im Jahre 1938. Quelle: Alt-Gunzenhausen, Heft 49 S. 80

Auch ihr Sohn Benno ist mit seiner Familie später in Palästina wohnhaft, er verstirbt in Haifa am 23.09.1954.

Das Geschäft erwirbt 1934 Franz Flurschütz, der es in einem Inserat als ´Deutsches Geschäft´ bezeichnet und zusätzlich Sportartikel in sein Sortiment aufnimmt.

Frau Huter wohnte schon damals in der Nachbarschaft der Familie Levi, in der Gartenstraße. Sie hat als Kind oft mit Bianka Levi gespielt und kann sich noch gut an die Laubhütte im Hof erinnern, die jedes Jahr zum Laubhüttenfest aufgestellt worden ist. In der Nacht des ersten Judenpogroms in Gunzenhausen, am 24. März 1934, wurde auch die Familie Levi von SS-Leuten aufgesucht. Es muss sehr schlimm gewesen sein, wie Frau Huter erzählt. Bianka habe fürchterlich geschrieen. „Herr Levi hat sich hinter einem Kamin versteckt, wurde aber trotzdem gefunden und abgeführt.“

Kurz danach, Bianka war etwa 8 Jahre alt, ist die Familie nach Haifa ausgewandert. Zum Abschied hat sie ihrer Freundin gesagt: „ Wir schreiben uns nicht, damit ihr keine Schwierigkeiten bekommt.“ 

Erst als sie erwachsen waren, kam ein Brief aus Haifa. Jetzt erst wusste Frau Huter, wo ihre Freundin lebt. Ende der 80-iger Jahre kam Bianka mit ihrem Mann, Herrn Heinebach, und ihrer Mutter zu Besuch nach Gunzenhausen. 

Über verflossene Zeiten wollten sie allerdings nicht sprechen. Von diesem Besuch stammt das Foto von Bianka Heinebach, geborene Levi.

Das Ehepaar hat zwei Töchter, eine davon ist Lehrerin und hat einige Zeit in Hamburg  gearbeitet.

Frau Bianka ist leider inzwischen verstorben, doch ihr Mann, Herr Heinebach, hat uns einen schönen Brief geschrieben. Natürlich weiß er über die Vorgänge in Gunzenhausen wenig. Er lebt heute in Haifa. Er berichtete am Telefon, dass er mit seiner Familie um 1972 in Gunzenhausen gewesen sei, um auf dem jüdischen Friedhof die Gräber der verstorbenen Verwandten zu suchen. Doch leider waren alles zerstört.

Herr Flurschütz ist im Krieg gefallen, so dass seine Frau das Haus wieder verkaufen musste.

Sie bat den Nachbarn, Metzgermeister Knöller, doch das Haus zu kaufen. Bis in die heutige Zeit war es im Besitz dieser Familie. Gegenwärtig steht es leer.

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Last updated 2006-05-29 by Franz Müller