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Jüdisches Leben in Gunzenhausen



Vanessa Gerlich and Maximilian Grimm

                 Die Geschichte des Hauses Kirchenstraße 11

Kirchenstraße 11 heute
Kirchenstraße 11 heute (mit dem Giebel zur Straße)

Kirchenstraße 11 um 1950
Kirchenstraße um 1980. Das Haus Nr. 11 stand mit der Traufseite zur Straße
© Foto-Braun, Gunzenhausen

Baujahr

Um 1550

Bauherr:

Unbekannt

Besitzerwechsel:

Von 1556 bis ca. 1700

War hier eine Lateinschule untergebracht

Um 1707

Erwirbt es Johann Paul Rötter um 250 fl.

1710 Nach der Flucht Rötters zieht die markgräfliche Regierung seinen Besitz ein. (Gunzenhausen gehörte zur Markgrafschaft Brandenburg Ansbach.)
um 1720 Joseph Isaak Jud
1746 Abbruch und Neubau durch Moses Uhlmann
1784 Koppel Hirsch ist Eigentümer des ganzen Hauses
1795 Um 1775 fl. ersteigert von Moses Neumarck, Handelsmann
1796/97 die Witwe Kolla Koppel teilt das Anwesen

Untere Hälfte

Besitzerwechsel 1779 Johann Wolfgang Dreßler, Kaminkehrer, um 900 fl.
um 1810 Andreas Philipp Schwarzbeck, Metzger
09.06.1815 Um 961 fl. gekauft von Philipp Heymann Rosenbach, Handelsmann

Obere Hälfte

Besitzerwechsel 1797 Die Witwe Kolla Koppel
23.12.1813 Um 1.000 fl. Philipp Heymann Rosenbach

Gesamtes Anwesen

Besitzerwechsel 16.08.1871 An Adelheid Rosenbach, die Witwe von Philipp Heymann Rosenbach
1871 Zu einem unbekannten Kaufpreis übernommen von Hermann und Karolina Mayer, geb. Rosenbach
19.11.1872 Um 5.600 fl. erworben von Abraham Löw Rosenfelder, Handelsmann aus Dittenheim
01.06.1888 Um 8.000 M übernommen von Max und Fanny Neuburger, geb. Rosenfelder; Kaufmann
08.05.1922 Von Samuel Lauchheimer um 100.000 M erworben. Manufakturwarengeschäft
16.12.1931 Im Erbgang an Moritz Lauchheimer, Schneider; Berta Hellmann und Julius Hellmann: Tuch- und Schnittwarenhandlung
21.11.1938 Um 2.000 RM von der Stadtgemeinde Gunzenhausen erworben
06.09.1960 Michael und Rosa Lehner, Schlosser
heute Heute ist das Haus im Besitz der evangelischen Kirchengemeinde und wird als Wohnhaus genutzt.

Die Geschichte der Familie Max Neuburger

Max Neuburger wurde am 4. Juni 1858 in Thalmässing geboren. Seine Eltern waren Josef Veis Neuburger und Maria, geb Süß, aus Regensburg.  Im Jahr 1888 wurde ihm von der Stadt Gunzenhausen das Bürgerrecht verliehen, was bedeutet, dass er  vorher schon etliche Jahre hier gelebt haben muss. Doch in diesem Jahr heiratete er Fanny Rosenfelder aus Gunzenhausen.

Deren Eltern, der Handelsmann Abraham Löw  und Maria Rosenfelder, besaßen das Haus in der Kirchenstraße 11. 

Dieses vererben sie an ihre Tochter und deren Mann Max Neuburger, der als Lederkaufmann tätig  ist. Das junge Ehepaar bekommt eine Tochter:

Amalie Neuburger, geb. am 25. Juli 1893 in Gunzenhausen.

Diese heiratet im Jahr 1922 Simon Bauer aus Erlangen. Im selben Jahr verkaufen die Eltern das Haus an die Familie Lauchheimer und ziehen ebenfalls nach Erlangen zu ihrer Tochter.

Doch offensichtlich fühlt sich die Familie Neuburger/Bauer in Erlangen bald nicht mehr sicher, denn 1938/39 sind sie in München gemeldet. Amalie und ihr Mann versuchen 1939 das Land zu verlassen und erhalten Tickets für den HAPAG-Dampfer „St. Louis“, der Kuba ansteuern soll. Doch Kuba verweigert ihnen die Aufnahme und das Schiff muss zurück nach Europa. Amalie und Simon Bauer landen in Antwerpen. Von Holland aus werden sie in ein Konzentrationslager deportiert, wohin, ist unbekannt, doch sie gelten seitdem als verschollen.

Die Geschichte der Familie Lauchheimer

Der Kaufmann Samuel Lauchheimer, geb. am 13.01.1846 in Schopfloch, war verheiratet mit Sarah Jandorf, geb. 1850 in Hengstfeld. Samuel Lauchheimer war Gemeinderat in Schopfloch und 1870/1871 als Teilnehmer des Deutsch-Französischen Krieges bei der Belagerung und dem Einzug in Paris dabei. 1922 zog er zusammen mit seiner Familie nach Gunzenhausen und erwarb das Haus in die Kirchenstraße 11.

Kinder:

Bertha Lauchheimer geb. am 01.06.1875 
in Schopfloch
Sie heiratete am 16.06.1902 Hermann Hellmann aus Gunzenhausen. (Siehe Kirchenstraße 13/15)
Moritz Lauchheimer geb. am 29.12.1890 
in Schopfloch
siehe unten

Die Geschichte von Moritz Lauchheimer

Moritz Lauchheimer wurde am 29.12.1890 in Schopfloch geboren. Er erlernte den Beruf des Schneiders. 

Am 23.12.1924 zog er zu seinen Eltern nach Gunzenhausen. Doch nach fünf Jahren, am 19.11.1929, übersiedelte er nach Holland. 

Am 08.01.1935 kehrte er über Schenkelingsfeld wieder zurück.

Vom 25.01. bis 01.11.1935 lebte er in Neustadt a. d. Saale. 

Am 10.12.1938 meldete er sich nach Augsburg ab. Von dort wurde er nach Riga deportiert und ist hier am 13.11.1941 ums Leben gekommen.

Astrid Seidl Astrid Seidl ist eine Enkelin des Ludwig Ordenstein und eine Nachfahrin der Ida Lauchheimer. Sie schrieb uns:

Liebe Schüler,

ich habe den Geburtsort von Herrn Moritz Lauchheimer gefunden, siehe

http://www.geocities.com/Vienna/Strasse/
5960/Augnames4.html

Schopfloch gehört meines Wissens zur Israelitischen Gemeinde
Nürnberg (Schuricht <schuricht.ikg@ah-heim.de>).Die Großmutter meines Vaters hieß Ida Lauchheimer und hat später Herrn Josef Ordenstein geheiratet. Es könnte sogar sein, dass Herr Moritz Lauchheimer der Bruder war. Falls Sie noch interessante Akten von der Familie Lauchheimer haben, würde es mich freuen, wenn Sie mir mitteilen könnten, wo sich diese befinden.

Mit freundlichem Gruß

Astrid Seidl

Noch zwei weitere Internetadressen haben wir von Frau Seidl bekommen.

Unter www.jewishgen.org sind Angehörige von Flüchtlingen zu finden. Außerdem findet man dort auch verschiedene Familienstammbäume.

Unter www.claimscon.org/index.asp?url=about_us sind viele Unterlagen über Personen z. B. Familienzusammenhänge zu finden, sowie auch sämtliche noch zur Verfügung stehenden Akten, was Versicherungs- bzw. Vermögenswerte angeht.

 Am 6. Februar 2004 schickte sie uns folgende E-Mail:

Liebe Schüler,

anbei Informationen von Herrn Dr. Heusler vom Stadtarchiv München. Es liegen auch einige Akten diverser Lauchheimers im Staatsarchiv München. Ich habe auch die Registrationsakte von Ida Lauchheimer (aber nicht meiner Urgroßmutter, von der Bundesfinanzdirektion Nürnberg). Der Zentralverband der Israelitischen Kultusgemeinde in München hat evtl. auch Unterlagen, wie Geburts- und Heiratseinträge. Außerdem hat sich 

Herr Karl-Heinz Rueß 
Stadtverwaltung Göppingen
Postfach 11 49, 
D-73011 Göppingen

mit den Lauchheimers beschäftigt und ein Heft herausgebracht. Beim Polizeiarchiv München war ich noch nicht, die könnten evtl. auch Unterlagen haben sowie selbstverständlich die israelitische Kultusgemeinde Nürnberg, zu der früher Schopfloch gehörte. Von dort habe ich einige Unterlagen wie Gräber und auch  Auszahlungen. Für mich wäre wichtig, wer die Geschwister von meiner Urgroßmutter Ida Lauchheimer, die mit Josef Ordenstein verheiratet waren und deren evtl. Abkömmlinge.

Ich hoffe, Ihnen etwas weiter geholfen zu haben. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Arbeit.

Astrid Seidl

Bis jetzt haben wir keinen Zusammenhang zwischen der Familie Lauchheimer aus Schopfloch und den Vorfahren von Astrid Seidl aus Jebenhausen finden können. Aber wir werden weitersuchen.

Sehr interessant fanden wir das Heft von Karl-Heinz Rueß:

„Spuren schreiben Vergangenheit“. 

Darin ist die jüdische Geschichte der Orte Jebenhausen und Göppingen dokumentiert, in welchen die Lauchheimers lebten.

Eine Nachfahrin der letzten Familie Lauchheimer aus Jebenhausen, Inge Auerbacher, schrieb das Buch  

„Ich bin ein Stern“. 

Darin schildert sie die dramatische Zeit ihres KZ-Aufenthaltes in Theresienstadt, den sie als Kind zusammen mit ihren Eltern überlebte.

Leider haben wir bis heute noch keine weiteren Nachkommen der Familie gefunden.

 

Christina Alscher und Corinna Huber

Die Geschichte der Familie Rosenbach

Der Handelsmann Philipp Heymann Rosenbach wurde 1779 geboren.  Er heiratete die am 13.10.1793 geborene Adelheid Meier. Sie erwarben 1813 die obere Hälfte der Kirchenstraße 11 in Gunzenhausen. 

Ihre Kinder waren:

1. Heinrich Rosenbach geboren am 14.08.1814 Er wanderte nach Amerika aus.
2. Moritz 
Rosenbach
geboren am 14.05.1820 Er wanderte 1844 nach Amerika aus.  Er war verheiratet mit Isabella Polock.

Kinder von Moritz und Isabella: 

Abraham Simon Wolf Rosenbach geboren am 22.07.1876 gestorben am 01.07.1952
Philipp Heymann Rosenbach geboren am 29.09.1863 gestorben am 05.05 1953

1903 gründeten diese beiden Brüder einen weithin bekannten Antiquitätenhandel in Philadelphia. Aus dieser Sammlung gingen das Rosenbachmuseum und die Rosenbachbibliothek hervor. (Siehe unten).

3. Karolina Rosenbach geboren am 10.05.1826 verheiratet mit Hermann Meier, Formstecher aus Ansbach
4. Jeanette Rosenbach geboren am 14.06.1831 wanderte nach Amerika aus

Seit Ende des 19. Jahrhunderts lebt kein Mitglied der Familie Rosenbach mehr in Gunzenhausen.

Das Rosenbachmuseum in Philadelphia existiert heute noch. Im  Internet

 http://www.rosenbach.org/information/about.html

fanden wir diese Informationen 

Rosenbachmuseum in Philadelphia

Unsere Mission

Das Museum und die Bibliothek Rosenbach versuchen Neugierde, Forscherdrang und Kreativität anzuregen, indem sie mit Ausstellungen, Programmen und Forschungsaufträgen, die auf der bemerkenswerten und umfangreichen Sammlung basieren, ein breites Publikum ansprechen. 

Über das Museum und die Bibliothek Rosenbach

Das Museum und die Bibliothek Rosenbach waren das Haus von zwei Brüdern, Dr. A.S.W und Philip Rosenbach.  A.S.W  Rosenbach war ein legendärer Händler und Sammler von seltenen Büchern und Manuskripten, während Philips Sachkenntnisse sich mehr auf die feinen und dekorativen Künste bezogen.  1954 gegründet um die private Sammlung und das Firmenarchiv der Brüder  aufzunehmen, wuchs die Rosenbach Holding zusehends. Das Rosenbachmuseum ist für  kulturelle Zwecke gedacht, wird aber überwiegend als Forschungszentrum genutzt. Es birgt eine der größten Sammlungen des Landes an seltenen Büchern und Manuskripten, so wie eine schöne historische Stadtwohnung, die mit Bildern, feiner Kunst und Antiquitäten gefüllt ist:

  • Manuskripte mit  hervorragender literarischer Arbeit von z. B. James Joyce's Ulysses, Charles Dickens' Pickwick Schriften und Joseph Conrad's Lord Jim
  • Britische und amerikanische Möbel aus dem 18. und 19. Jahrhundert
  • Eine Schriftensammlung  wichtiger Autoren, einschließlich Herman Melvilles Bücherschrank und Nathaniel Hawthornes Originalkopie von Melvilles Moby Dick

Namenliste „Haus Kirchenstraße 11“

 * Geburtsjahr             & verheiratet mit       ( ) Jahr des Besitzerwechsels

Bauer, Simon (1922) & Amalie, geb. Neuburger, * 1893
Dressler, Johann Wolfgang, Kaminkehrer (1779)
Gunzenhausen Stadtgemeinde (1938)
Hellmann, Berta geb. Lauchheimer (1931) ererbt
Hellmann, Julius (1931) ererbt
Hellmann, Hermann & Berta, geb. Lauchheimer
Hirsch, Koppel (1784) Eigentümer
Jandorf, Sarah & Samuel Lauchheimer (1922)
Jud, Joseph Isaak (ca 1720)
Koppel, Kolla Witwe (1796/97) teilt das Anwesen, (1797) oberes Haus Lateinschule (1556 - ca 1700)
Lauchheimer, Samuel, * 13.01.1846 (1922) & Sarah, geb. Jandorf, * 1850
Lauchheimer, Ida & Joseph Ordenstein
Lauchheimer, Moritz, * 29.12.1890 (1831) ererbt 
Lauchheimer, Berta, * 01.06.1875
Lauchheimer, Hans, * 23.09.1921
Lehner, Michael & Rosa (1960)
Markgräfliche Regierung (1710)
Mayer, Hermann & Karolina, geb. Rosenbach (1871)
Meier, Adelheid, siehe P. H. Rosenbach
Neuburger, Josef Veis & Maria, geb. Süß
Neuburger, Max, * 1858 & Fanny, geb. Rosenfelder (1888)
Neuburger, Amalie, * 1893 & Simon Bauer (1922)
Neumarck, Moses (1795)
Ordenstein, Josef & Ida, geb. Lauchheimer
Polock, Isabella & Moritz Rosenbach 
Rötter, Johann Paul (1707)
Rosenbach, Adelheid, geb. Meier, Witwe
Rosenbach, Heinrich, * 14.08.1814
Rosenbach, Karolina, * 10.05.1826
Rosenbach, Moritz, * 14.05.1820
Rosenbach, Philipp Heymann, * 1779 & Adelheid, geb. Meier, * 1793 (1815)
Rosenbach, Abraham Simon Wolf, * 22.07.1876
Rosenbach, Philipp Heymann, * 29.09.1863 (1813)
Rosenbach, Jeanette, * 14.06.1831
Rosenfelder, Abraham Löw (1872) & Maria
Rosenfelder, Fanny & Max Neuburger, * 1858 (1888)
Süß, Maria & Josef Veis Neuburger
Schwarzbeck, Andeas Philipp (ca 1810)
Uhlmann, Moses (1746)

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Last updated 17.12.2007 by Franz Müller