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Jüdisches Leben in Gunzenhausen



 Die Geschichte des Hauses Burgstallstraße 14

Anja Kirchner, Marina Brunner


 

Baujahr:

Unbekannt

Bauherr:

Unbekannt

Besitzerwechsel: Heinrich Fuchs, Steinmetz
1906 erworben von Jacob Walz, Viehhändler.
Das Bildhauer- und Steinmetzgeschäft Fuchs verbleibt auch nach dem Verkauf hier.
1929 an die Witwe Johanna, geb. Heß
Am 08.11.1933 zieht Hugo Wertheimer mit seiner Frau Dora Strauß in die Burgstallstraße 14
17.11.1938 an die Stadtgemeinde Gunzenhausen
Nach einiger Zeit kauf das Anwesen Rechtsanwalt Blaumeier aus Ornbau.
Später ging das Haus an seine Tochter, Frau Pfeiffer, über
Anfang 1988 kauft Frau Gebriele Sticht-Omari das Haus.
Im Februar 1988 kaufen Manfred und Gertrud Heining, wohnhaft Gartenstraße 13, das Haus.

Die Geschichte der Familie Walz

Der Handelsmann und Viehhändler Jacob Walz wurde am 26.07.1859 in Gunzenhausen als eines von vier Kindern des Ehepaares Joseph Walz und Jette, geb. Neuhaus, geboren.

Sein Bruder Simon Walz wurde 31.07.1854 in Gunzenhausen geboren. Er war von Beruf Handelsmann und Viehhändler. Simon Walz heiratete Flora, geb. Nathan, die am 02.06.1861 in Laupheim geboren worden ist. Das Ehepaar hatte vier Kinder:

Sarah * 25.04.1884  in Gunzenhausen
Salomon * 24.12.1887 in Gunzenhausen
Josef  * 01.01.1890 in Gunzenhausen
Hugo * 11.08.1897 in Gunzenhausen

Simon Walz und seine Familie wohnten in der Burgstallstraße 6.

 Am 24.05.1887 heiratet Jacob Walz Johanna, geb. Heß, geboren am 11.08.1864 in Aufhausen bei Oettingen. Sie haben drei Kinder:

Rosalie  * 10.06.1888 in Gunzenhausen
Emil *17.07.1890 in Gunzenhausen
Irma * 20.06.1901 in Gunzenhausen

Im Jahr 1889 erhält er das väterliche Anwesen Kirchenstraße 17 um 1.800 M. 17 Jahre später, also im Jahr 1906, erwirbt er das Anwesen Burgstallstraße 14.

Jacob Walz stirbt am 26.01.1929 in Gunzenhausen. 14 Jahre später, am 28.01.1943, kommt seine Frau Johanna im KZ Theresienstadt um.

Die Töchter haben sich beide schon am 22.11.1938 nach Stuttgart abgemeldet. Irma gilt als verschollen im KZ Piaski

Emil, der behinderte Sohn der Familie, kommt 1932 in die Heil- und Pflegeanstalt nach Ansbach, später dann in die Pflegeanstalt Gremsdorf. Am 30.06.1941 wird er von dort in die Heilanstalt Erlangen verlegt. 

Mit seinem Euthanasiebefehl vom Oktober 1939 ermächtigte Adolf Hitler die Tötung so genannten „lebensunwerten Lebens". Mit ihm begann die erste systematische Vernichtung einer Gruppe im Dritten Reich. Verschleiert wurde die Aktion durch den von Hitler in seinem Ermächtigungsschreiben verwendeten Begriff „Gnadentod". Als „lebensunwert" galten nach seiner Definition vor allem missgebildete Kinder und an z. B. Geistes- oder Erbkrankheiten oder an Syphilis leidende Erwachsene, insbesondere wenn sie entsprechend der nationalsozialistischen Rassenkunde einer „minderwertigen Rasse" angehörten. Hitler radikalisierte damit einen Standpunkt, der in Menschen, die für Staat und Wirtschaft nicht nützlich sind, nur noch eine Belastung sieht. Man setzte dies mit lebensunwertem Leben gleich und organisierte dessen systematische Vernichtung.

Emil gilt als verschollen im KZ Auschwitz. Wir müssen davon ausgehen, dass er ein Opfer des Euthanasiebefehls wurde.

Die Familiengeschichten von Hugo und Salomon Walz sind unter Burgstallstraße 5 und Burgstallstraße 6 zu finden.

Von Elke Däubler aus Schwäbisch Hall erhielten wir nähere Information zu der Familie:

Rosalie (Sali) Walz war seit 1910 mit dem Textil-Kaufmann Jakob Würzburger aus Schwäbisch Hall verheiratet. Das Ehepaar hatte drei Kinder: Heinrich, Ilse und Hertha. 

Die Familie hatte bis 1936 ein Textil-Geschäft in Schwäbisch Hall. 

Dorthin war die Mutter von Rosalie, Johanna Walz,  im Sommer 1939 zu ihrer Tochter gezogen. 

Nachdem sie das Geschäft schließen mussten, zogen sie alle nach Stuttgart in die Gausstraße 122. Auch die Schwester Irma aus Gunzenhausen folgte ihnen. 

1940 gelang es der Familie Würzburger über Kolumbien in die USA auszuwandern. Mutter und Schwester  konnten nicht mit. Deshalb kam Johanna Walz in ein jüdisches Altersheim nach Regensburg. Von dort wurde sie nach Theresienstadt deportiert wo sie am 28.01.1943 ums Leben kam. Irma Walz ist im KZ Piaski verschollen.

Die Nachkommen von Rosalie und Jacob Würzburger leben heute noch in den USA. 

Frau Däubler hat über einige Mitglieder dieser Familie Kurzbiographien verfasst. 


Babette Walz 


Johanna Walz, 
geb. Heß

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Last updated 2008-02-13 by Franz Müller