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Jüdisches Leben in Gunzenhausen

Reinhold Sternitzke und Sebastian Billmeyer

 Die Geschichte des Hauses Hensoltstraße 6

Baujahr:

Unbekannt

Bauherr:

Unbekannt

Besitzerwechsel:

1870 erwarb Veis Nathan Waldmann mit seiner Frau das Haus

1906 bis 1911 Sohn Nathan, Waldmann, Viehhändler
1928 geht das Haus im Erbgang an die Witwe Fanny Waldmann, geb. Gumperz
01.11.1930 wird im Haus durch Franz Scherb eine Agentur für das Bankgeschäft Rosenbeck in Hofheim sowie für Versicherungen betrieben
28.04.1937 wird das Haus an Hans Schöberlein verkauft, der dort eine Gemischtwarenhandlung eröffnet
Heute ist das Haus im Besitz von Erika Schmautz

Die Geschichte der Familie Waldmann

Der Handelsmann Veis Nathan Waldmann, geb. 1828 in Dittenheim heiratete Regina Steiner aus Steinhart und zog nach Gunzenhausen. Dort erwarb die Familie um 1870 das Haus Hensoltstraße 6.

Das Ehepaar hatte vier Kinder, Sohn Nathan, geb. 1864, erbte um 1906 das väterliche Anwesen und war als Viehhändler tätig.

Er war verheiratet mit Fanny Gumperz, geb. 1870 in Ansbach. Das Ehepaar hatte 9 Kinder, von denen drei im Kindesalter verstarben. 

Zwei von ihnen verließen im Dritten Reich Deutschland:

Hugo, * 19.05.1896, emigrierte nach Argentinien, Ludwig, *25.03.1906, ging 1935 nach Palästina. 1956 hat er sich mit seiner Familie wieder in Deutschland eingebürgert. Wir wissen leider nicht wo.

Sohn Julius, *28.10.1898,  blieb in Gunzenhausen im Elternhaus, er war verheiratet mit Frieda Baum aus Teunz.

Sohn Bruno, *23.09.1897, heiratete ein evangelisches Mädchen aus Gunzenhausen, Lina Schachner, *15.04.1903, in der Hensoltstraße 34. Er war Soldat im ersten Weltkrieg, ebenso wie sein Bruder Hugo. Beide wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet. 


Die Hensoltstraße um 1900. 
Aus dem Haus Hensoltstraße 34 (auf dem Bild rechts) stammt die evangelische Frau von Bruno Waldmann. Allerdings haben dort auch jüdische Familien zur Miete gewohnt.  
Aus "Gunzenhausen in alten Ansichten" von W. Lux

Das junge Ehepaar wohnte bei den Eltern der Frau und hatte einen Sohn, Ludwig Bruno, * 05.01.1926.

1928 verstarb Vater Nathan und das Haus ging 1930 im Erbgang an die Witwe Fanny, geb. Gumperz.

Sie vermietete im Haus Geschäftsräume an Franz Scherb. Er richtete dort eine Agentur für das Bankgeschäft Rosenbeck in Hofheim sowie für Versicherungen ein.

Bruno Waldmann, der in der Hensoltstraße 34 bei seinen christlichen Schwiegereltern wohnte, eröffnete am Palmsonntag 1926 in der Bahnhofstraße 11 eine Kaffeewirtschaft. Die Räumlichkeiten hatte er von Josefine Haase gepachtet.

1932 zog er mit seiner Familie in dieses Haus um, doch mit der Zunahme der Repressalien gegen jüdische Bürger im Jahr 1934 beendete er den Pachtvertrag mit Frau Haase und zog zurück in sein Elternhaus in der Hensoltstraße 6. 

Am 16. August gleichen Jahres wanderte er nach Washington aus, Ehefrau und Sohn folgten ihm erst am 01.09.1935.

Die Gründe für sein vorzeitiges Verlassen der Stadt sind uns nicht bekannt, doch das Pogrom vom 24. März 1934 fand unmittelbar vor seiner Kaffeewirtschaft statt.

Seine Mutter hat vier Tage später die Stadt verlassen, ist nach Bopfingen weggezogen. 

Das Haus in der Hensoltstraße wurde allerdings erst am 28. April 1937 an Hans Schöberlein verkauft. Dieser eröffnete dort eine Gemischtwarenhandlung und verkaufte Zucker, Rauchwaren, Textilien und Holzschuhe. Bis 1963 bestand dieses Geschäft.

Heute ist das Haus im Besitz von Erika Schmautz.

 

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Last updated 2004-04-20 by Franz Müller