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Reinhold Sternitzke und Sebastian Billmeyer Die Geschichte des Hauses Hensoltstraße 6
Die Geschichte der Familie Waldmann Der Handelsmann Veis Nathan Waldmann, geb. 1828 in Dittenheim heiratete Regina Steiner aus Steinhart und zog nach Gunzenhausen. Dort erwarb die Familie um 1870 das Haus Hensoltstraße 6. Das Ehepaar hatte vier Kinder, Sohn Nathan, geb. 1864, erbte um 1906 das väterliche Anwesen und war als Viehhändler tätig. Er war verheiratet mit Fanny Gumperz, geb. 1870 in Ansbach. Das Ehepaar hatte 9 Kinder, von denen drei im Kindesalter verstarben. Zwei von ihnen verließen im Dritten Reich Deutschland: Hugo, * 19.05.1896, emigrierte nach Argentinien, Ludwig, *25.03.1906, ging 1935 nach Palästina. 1956 hat er sich mit seiner Familie wieder in Deutschland eingebürgert. Wir wissen leider nicht wo. Sohn Julius, *28.10.1898, blieb in Gunzenhausen im Elternhaus, er war verheiratet mit Frieda Baum aus Teunz. Sohn Bruno, *23.09.1897, heiratete ein evangelisches Mädchen aus Gunzenhausen, Lina Schachner, *15.04.1903, in der Hensoltstraße 34. Er war Soldat im ersten Weltkrieg, ebenso wie sein Bruder Hugo. Beide wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet.
Das junge Ehepaar wohnte bei den Eltern der Frau und hatte einen Sohn, Ludwig Bruno, * 05.01.1926. 1928 verstarb Vater Nathan und das Haus ging 1930 im Erbgang an die Witwe Fanny, geb. Gumperz. Sie vermietete im Haus Geschäftsräume an Franz Scherb. Er richtete dort eine Agentur für das Bankgeschäft Rosenbeck in Hofheim sowie für Versicherungen ein.
1932 zog er mit seiner Familie in dieses Haus um, doch mit der Zunahme der Repressalien gegen jüdische Bürger im Jahr 1934 beendete er den Pachtvertrag mit Frau Haase und zog zurück in sein Elternhaus in der Hensoltstraße 6. Am 16. August gleichen Jahres wanderte er nach Washington aus, Ehefrau und Sohn folgten ihm erst am 01.09.1935.
Seine Mutter hat vier Tage später die Stadt verlassen, ist nach Bopfingen weggezogen. Das Haus in der Hensoltstraße wurde allerdings erst am 28. April 1937 an Hans Schöberlein verkauft. Dieser eröffnete dort eine Gemischtwarenhandlung und verkaufte Zucker, Rauchwaren, Textilien und Holzschuhe. Bis 1963 bestand dieses Geschäft. Heute ist das Haus im Besitz von Erika Schmautz.
Bericht von Rosemarie Danner In Gunzenhausen lebt Rosemarie Danner, die Nichte von Lina Waldmann. Sie erzählte uns die Familiengeschichte von Bruno und Lina Waldmann und brachte Bilder mit. Auch Ludwig Waldmann schickte uns welche aus den USA.
Bruno Waldmann aus der Hensoltstraße 6 heiratete in den Zwanziger Jahren das evangelische Mädchen Lina Schachner, ebenfalls aus der Hensoltstraße. Das junge Ehepaar lebte bei den Eltern der Frau, die eine Gastwirtschaft betrieben.
Seine Frau und der Sohn Ludwig blieben in Gunzenhausen. Da Bruno sehr sportlich war, fand er eine Anstellung in einem
Sportclub. So konnte er seine
Familie schon ein Jahr später nachkommen lassen. 1945 war der Sohn Ludwig als GI – also als junger amerikanischer
Soldat in Deutschland eingesetzt. Seine Großeltern in Gunzenhausen durfte
er während des Aufenthaltes allerdings nicht besuchen. In diesem Jahr wurde in Washington seine kleine Schwester geboren. Erst nach Kriegsende kam wieder Post von den Waldmanns in
Gunzenhausen an. Sie schickten viele Carepakete an die Not leidenden Verwandten in
Deutschland, voll mit Essen, Kleidung und ‚verrückten’ amerikanischen
Spielsachen. 1953 besuchte Lina Waldmann zum ersten Mal wieder ihre Heimat.
Zusammen mit ihrer Tochter war sie per Schiff nach Deutschland gereist.
Bruno war nicht dabei.
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