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Jüdisches Leben in Gunzenhausen

Dorothea Mast

 Die Geschichte des Hauses Hensoltstraße 15


Haus Hensoltstraße 15 heute

Baujahr: unbekannt
Bauherr: unbekannt
Besitzerwechsel: um 1906 Kauf des Hauses durch Heinrich Hellmann, Metzger u. Handelsmann
um 1926 Verkauf an Salomon Sommer, Viehhändler
30.01.1935 Verkauf an Otto Bauer, Metzger
Im Dezember 1981 wurde das Haus von der Witwe Otto Bauers an Hans Georg Vestner, Bäcker, verkauft.

Die Geschichte der Familie Hellmann

Heinrich Hellmann wurde am 26.09.1849 in Gunzenhausen als Sohn des Max Hellmann und dessen Frau Therese, geb. Steiner geboren. 

Er heiratete 1877 Ida Dingfelder, geboren am 04.02.1852 in Ühlfeld. Das Ehepaar hatte 12 Kinder:

Albert, * 23.5.1878, lebte um 1913 in Südafrika und wanderte vor 1933 nach Amerika aus

Siegfried, * 31.08.1879, lebte um 1939 in Mühldorf. Er emigrierte nach Rotterdam, lebte dann mit seiner Schwester Emma in Meppel/NL, wurde am 05.05.1942 in Westerborg interniert und am am 16.07.1942 nach Auschwitz deportiert, dort wurde er am 02.09. oder am 30.09.1942 ermordet.
Sein Name ist auf dem Joodsmonument in Meppel aufgeführt, ausführlich ist seine Geschichte in der Dokumentation Joods Monument Meppel/German Jewish Refugees nachzulesen: http://www.joodsmonumentmeppel.nl), eine weitere Quelle ist die online-Datenbank Digital Monument to the Jewish Community in the Netherlands (www.joodsmonument.nl).
Freundliche Mitteilung per E-Mail vom 23.09.2008 von Brigitte Schmidt, Stadtarchiv München.

Rosa, * 24.04.1881, + 07.09.1881

Frieda, * 20.08.1882, heiratete vor 1916 einen Herrn Reinolds, Pensionsbesitzer in Washington

Lina, * 25.02.1884, heiratete einen Herrn Klagges und lebte in den Niederlanden

Emma, * 01.05.1885, + 19.02.1943 in Auschwitz
(Quelle: http://www.joodsmonument.nl)
Sie war mit Leopold Böttigheimer, Kaufmann aus Bamberg, verheiratet.

Max, * 24.12.1886 in Gunzenhausen, + 09.04.1943 in Sobibor.
(Quelle: http://www.joodsmonument.nl)
Pferdehändler, beabsichtigte 1905 nach Transvaal auszuwandern, lebt jedoch ab 1912 wieder in Gunzenhausen. Er ist verheiratet mit Recha Frank. 

Friedrich Martin, * 16.08.1888,  + 
Bäcker, lebte um 1916 in Brüssel/Belgien. War verheiratet mit Irma Krämer, geb. Lux. 
Er wurde am 11.09.1942 mit dem Transport Nr. 31 nach  Auschwitz deportiert.
(Quelle: www.memorialdelashoah.org)
Freundliche Mitteilung per E-Mail vom 23.09.2008 von Brigitte Schmidt, Stadtarchiv München.

Wurde 1961 für tot erklärt zum 31.12.1945

Hermann, *26.11.1890,  Kaufmann

Julius, *19.03.1893, ertrunken am 17.05.1898

Betty,  * 03.05.1894, hatte einen Sohn: Heinz Hellmann. Beide am 28.11.1938 nach München abgemeldet. Verschollen in Riga

Sigmund, * 24.07.1898 in Gunzenhausen, + 05.12.1943 in Auschwitz 
(Quelle: http://www.joodsmonument.nl)

1926 verkauft die Familie ihr Haus in der Hensoltstraße 15 und zieht in das Haus Hensoltstraße 27. Salomon Sommer erwirbt das Haus.

Heinrich Hellmann verstirbt am 22.06.1933. Seine Frau Ida meldet sich am 28.11.1938 zusammen mit ihrer Tochter Betty nach München ab. Ida Hellmann wurde am 06.06.1942 mit dem Transport II/3 von München nach Theresienstadt deportiert. Sie starb dort am 13.12.1942. 
(Quelle: http://holocaust.cz/cz2/victims/person)
Freundliche Mitteilung per E-Mail vom 23.09.2008 von Brigitte Schmidt, Stadtarchiv München.

Sohn Herrmann und Tochter Betty mit ihrem Sohn Heinz wurden am 20.11.1941 von München nach Kowno/Kaunas deportiert und dort am 25.11.1941 erschossen. 
(Quelle: Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945. Erarbeitet v. Andrea Heusler, Brigitte Schmidt et al, München 2003, S. 556 f.).
Freundliche Mitteilung per E-Mail vom 23.09.2008 von Brigitte Schmidt, Stadtarchiv München.

Die Familiengeschichte der Sommers

Der Viehhändler und Handelsmann Salomon (Sally) Sommer wurde am 
31.10 1880 als Sohn des Handelsmanns Abraham Sommer und seiner Frau Helene Lippmann, in Heidenheim geboren. 

Er heiratete Frieda Lehmann, die am 11.05.1888, als Tochter von Lazarus Lehmann und Johanna Block, ebenfalls in Heidenheim geboren wurde. Sie wohnten in Heidenheim und hatten zwei Kinder:

Josef, geboren am 28.04.1910 

Alfred, geboren am 18.02.1915.

1918 zog die Familie nach Gunzenhausen in die Gartenstraße 8 zur Witwe des Bruders Philipp Sommer. Dort starb Frieda am 23.05.1919. 

Daraufhin heiratete Salomon Meta Block, die am 28.02.1896 in Schopfloch geboren wurde. In dieser Ehe gab es wiederum zwei Kinder, nämlich 

Friedel Liese, geboren am 14.06.1921 

Erich Philipp, geboren am 22.07.1923 

Beide Kinder wurden in Gunzenhausen geboren. 

1926 erwarb die Familie das Haus Hensoltstraße 15. 


Meta Sommer, geb. Block


Friedel Sommer (Dritte von links) und Ilse Lehmann (Zweite von rechts) bei einer Schulwanderung. 
Foto: Archiv Lieselotte Raab

Dort lebten sie nur 7 Jahre und galten in der Stadt als wohlhabende Familie mit Dienstboten.

Am 23.03.1933 meldete sich die Familie Sommer mit den Kindern aus zweiter Ehe nach Göppingen ab. 

Im Sommer 1933 hält sich Sally Sommer im Taunussanatorium in Homburg v. d. Höhe auf. Dort erreicht ihn im August die Nachricht, dass von der in Aussicht genommenen Schutzhaftverhängung abgesehen wird.

1935 verkauft die Familie das Haus in der Hensoltstraße an das Ehepaar Bauer und wandert nach New York aus. 


Nachweis zur "Ausbürgerung" der Familie Sommer am 02.07.1940. 
Die Liste stammt aus dem "Reichssteuerblatt Nr. 57 vom 09.07.1940 S. 638".
Die Information erhielten wir von Kerstin und Frank Wolf per E-Mail im Februar 2003

Heute ist das Haus im Besitz von Heinz Georg Vestner, der lange Jahre im Nachbaranwesen eine große Bäckerei betrieben hat. Er erwarb es 1981 von der Witwe des Otto Bauer.

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Last updated 2008-10-03 by Franz Müller