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Marina Brunner und Anja Kirchner Die Geschichte des Hauses Burgstallstraße 4
Die Geschichte der Familie Jacob Rosenau Jacob Rosenau wurde am 26.05.1845 als Sohn des Handelsmannes Model David Rosenau und dessen Frau Jette Rosenau, geborene Kreglinger, in Obernzenn geboren. Jacob war Rauwarenhändler, 1871 wurde er offiziell Bürger von Gunzenhausen. Er hatte neun weitere Geschwister, von denen sechs zwischen 1850 und 1854 nach Amerika ausgewandert sind. Zwei von Jacobs Brüdern wohnten fast in seiner Nachbarschaft. Der Bruder Samuel Rosenau wohnte in der Hensoltstraße 7 und sein anderer Bruder Joseph Rosenau Burgstallstraße 7. In erster Ehe heiratete Jacob Gretchen Kraft, Tochter von Hopfenhändler Michael Kraft. Gretchen Kraft wurde 18.02.1849 in Burgkunstadt geboren. Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor.
Am 9. August 1883 verstarb seine erste Frau in Alter von erst 36 Jahren, nur einen Monat nach der Geburt ihres letzten Kindes. Kurz danach heiratete Jacob in zweiter Ehe Ernestine Sichel, Tochter von Philipp Sichel und Regina, geborene Mohrenwitz aus Sommerach. Das Weinhändlerehepaar folgte seiner Tochter nach Gunzenhausen. Die Mutter verstarb hier im Jahr 1900 und zu ihrem Unglück verstarb Ernestines Vater im gleichen Jahr wie ihr Ehemann Jacob Rosenau, nämlich im Jahr 1907. Die Kinder aus dieser Ehe:
Nach dem Tod von Jacob Rosenau im Jahr 1907 verkaufte seine Witwe das Haus an Jakob Eisen. Dieser baute 1909 ein neues Lager mit Komptoir und Stallung. Er hatte einen Kohlen- und Warengroßhandel. Diesen meldete er am 01.12.1934 beim Gewerbegroßhandel an. Leider wissen wir nicht, wohin die Witwe Rosenau mit ihren Kindern nach dem Verkauf des Hauses gezogen ist.Die Geschichte der Familie Jacob Eisen Die weitverzweigte Familie Eisen gehörte zu einer der ältesten Familien der Stadt, wie folgender Text aus dem Altmühl-Boten vom 18.10.1928 zeigt.
Der beliebte Kaufmann Jacob Eisen, geb. 1879 als Sohn des Handelsmannes Heymann Eisen und dessen Frau Jetta, geb. Schoen, heiratet 1906 Rosa Neumarck aus Ansbach. Schon 1907 bauen sie das Haus in der Burgstallstraße 4 und führen dort ein Geschäft für Rohmaterialien. Viele Anzeigen aus den Zwanziger Jahren im Altmühl-Boten zeugen von einer regen Geschäftstätigkeit.
Am 1. August 1908 wird die Tochter Betty geboren. Sie berichtet heute (2001) über ihre Jugend in Gunzenhausen: ‚Ich habe nach der Schule einen Tanzkurs mitgemacht, alles war noch friedlich und freundschaftlich, bis Hitler ein Ende machte. Von heute auf morgen sahen uns unsere Freunde nicht mehr an, mein Vater ist einmal misshandelt worden und mit allen anderen jüdischen Männern über Nacht ins Gefängnis gebracht worden.’ 1929 heiratet Betty Eisen den Kaufmann Max Rosenbaum und folgt ihm nach München. Als die Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger in Gunzenhausen zunehmen, übergibt Jacob Eisen im Dezember 1934 seine Kohlenhandlung an Ludwig Wucherer und am 18.12.1935 verkauft er das Anwesen Burgstallstraße 4 an einen Herrn Friedrich Lutz. Im Gewerbeabmelderegister der Stadt Gunzenhausen fanden wir allerdings folgenden Eintrag: "31.12.1937 – Jakob Eisen, München. Das bisher im Lager, General-Ludendorff-Str. 4 (Anmerkung: früher Burgstallstraße 4), betriebene Häute- und Fellgeschäft wird ab 31.12.1937 abgemeldet; (gez.) für J. Eisen, Josef Groß." (Josef Groß war der Ehemann von Bertha, geb. Eisen, der Schwester Jacob Eisens. Er betrieb noch bis Januar 1938 in der Judengasse 1 eine Agentur der Viktoria-Feuerversicherung.) J. Eisen ist demzufolge noch bis 1937 in Gunzenhausen geschäftlich aktiv.
Schon am 16.03.1936 holt die Tochter Betty ihre Eltern endgültig zu sich nach München, in der Hoffnung, dass sie dort verschont bleiben würden. Das Ehepaar Jacob und Rosa Eisen bleibt in München und wird in das KZ Piasky deportiert, wo sie beide umkommen. Doch Bettys Mann Max Rosenbaum wird 1938 im KZ Dachau inhaftiert, allerdings 4 Wochen später wieder entlassen. Daraufhin flieht das Ehepaar im Dezember 1938 nach Amsterdam und wandert von dort per Schiff nach Amerika aus.
Betty und ihr Mann lassen sich in New York nieder, wo Frau Rosenbaum 13 Jahre bei der Stadtverwaltung arbeitet. 1971 siedeln beide nach Florida über, wo Max Rosenbaum 1981 stirbt. Betty Rosenbaum war Anfang 2001 92 ½ Jahre alt und schrieb uns im Februar 2001 einen Brief. Darin berichtet sie, dass sie mit etlichen Gunzenhäuser Freunden, die damals auch ausgewandert seien, noch lange in Kontakt gewesen wäre, diese aber jetzt fast alle überlebt hätte. ‚Vor kurzem ist Theodor Theilheimer gestorben, der in der selben Klasse mit mir die Schule besuchte; er war ein Genie und arbeitete in Amerika im Navy-department.’ Von Betty erhielten wir auch das Foto von ihrer Abschlussklasse an der Realschule: 'Absolvia 1925'. Dies war der erste Jahrgang in Gunzenhausen, in dem an der früher den Knaben vorbehaltenen Realschule Mädchen zugelassen worden waren.
Obwohl Betty Rosenbaum 1982 einer Einladung der Stadt München gefolgt ist, hat sie Gunzenhausen nicht besucht. Trotzdem hält sie Kontakt zum Archivar der Stadt Gunzenhausen, Herrn Mühlhäußer, und hält ihn über ihr Leben auf dem Laufenden. Der heutige Besitzer des Hauses Burgstallstraße 4, Herr Bernhard Ebert, hat in der Burgstallstraße 4 ein Reisebüro eröffnet, das seinem Busunternehmen angegliedert ist. Er berichtet, dass sein Vater während des Krieges dieses Haus sowie das Haus daneben, Burgstallstraße 6, von der Stadt gekauft habe, beide allerdings nach dem Krieg noch einmal habe bezahlen müssen. Da keine Unterlagen mehr auffindbar sind, weiß er weder von dem Vorbesitzer Friedrich Lutz etwas noch von der Familie Eisen. Die Nachkommen von Lazarus Schia Enoch Eisen
Lazarus Schia Enoch Eisen wird 1792 in Gunzenhausen als Sohn des Handelsmannes Josua Schia Enoch Eisen und dessen Frau Rifca, geb. Jüdek, geboren. Die Familie besitzt seit 1788 das Anwesen in der Waagstraße 7. Lazarus übernimmt 1828 das Geschäft des Vaters und handelt mit Alteisen, Bett- und Schreibfedern. Seine Ehefrau wird Ricka (Friederike) Guggenheimer. Die Familie lebt weiterhin im Anwesen in der Waagstraße 7 Das Ehepaar hat sechs Kinder, von denen vier schon im 19. Jahrhundert in die USA auswandern.
Babetta Eisen, geb. 1828, heiratet Johan Rubel und lebt mit ihm in Hurley, Wisconsin, in den USA. Dort werden die fünf Kinder geboren:
Babetta verstirbt 1899 in Hurley, Wisconsin. Josua Eisen, geb. 06.12.1830, heiratet Jetta (Henrietta) Blumenthal aus Baden. Auch dieses Ehepaar lebt offensichtlich in Wisconsin, denn alle sieben Kinder werden dort in Milwaukee geboren.
Albert Henry Josef Eisen, geb. 23. Januar 1834, verstirbt am 1. Februar 1897 in Gunzenhausen. Lazarus Henoch "Henry L" Eisen, geb. 1840, heiratet am 16. Juni 1875 Rechal Rosenbaum aus Zell bei Würzburg. Das Ehepaar wandert nach Milwaukee WI aus und dort werden die drei Kinder geboren:
Ihr Vater Lazarus starb bereits 1883 Obwohl der Vater so früh verstorben ist, können beide Söhne mit Hilfe von Freunden studieren. Das folgende Bild zeigt Ernst Joseph Eisen inmitten seiner Studienkollegen um 1900.
Etwa 70 Jahre später treffen sich die Kinder von Ernst Joseph und Paul Mendel Eisen:
Paul Friedrich (Fritz) Eisen, der Sohn von Paul Mendel, heiratet Susanne Noack, geb. 1930 in Detroit. Diese Frau Susanne Eisen hat uns den Stammbaum der Familie Eisen zugesandt, ebenso die o. a. Fotos der Familie. Arnold Eisen, geb. 08.12.1842, heiratet Henrietta Wetzlar aus Langstadt und wandert ebenfalls nach Milwaukee, Wisconsin, aus. Dort werden die beiden Töchter geboren:
Arnold verstirbt 1902 in Milwaukee, Wisconsin.
Heymann Lazarus "Hermann L" Eisen, geb. 04. 05.1844, heiratet Jetta Schoen aus Gunzenhausen. Als jüngster Sohn der Familie übernimmt er das väterliche Geschäft, wohnt mit seiner Familie in dem Haus in der Waagstraße 7 und handelt mit Kohlen. Fast alle Kinder der Familie werden hier geboren:
1880 verkauft Heymann Eisen, der Vater von Jacob und seinen fünf Geschwistern, das Haus in der Waagstraße 7, da er durch seine Eheschließung das Haus Hafnermarkt 10 erwirbt. Doch schon zwei Jahre später kauft er das Haus Auergasse 1 und eröffnet dort 1883 einen Schnittwarenladen. Der Sohn Jakob heiratet Berta Neumarck und führt das väterliche Geschäft weiter. Er baut oder erwirbt 1907 das Haus in der Burgstallstraße 4. Das Ehepaar kommt im KZ Piaski ums Leben. Betty, ihre einzige Tochter, geb. am 01.08.1908, heiratet 1929 den Münchner Kaufmann Max Rosenbaum. Sie lebt heute in Florida.
Dort nahm sie auch wieder Kontakt zur Familie Eisen auf, heiratete deren Sohn Paul Friedrich und blieb in den USA. Das Ehepaar hat drei Kinder und sechs Enkelkinder. Paul Mendel und sein Bruder Ernst Joseph Eisen heirateten beide keine jüdischen Frauen und hielten sich wenig an die Religion. In dieser Familie war das nie ein Problem. Viel wichtiger war der Charakter eines Menschen. Susanne Eisen lebt heute in San Francisco und ist dort von Menschen aller Rassen, Nationalitäten und Lebensanschauungen umgeben – eine wirklich bereichernde Erfahrung.
Namenliste „Haus Burgstallstraße 4“ * geboren + gestorben & verheiratet mit ( ) Jahr des Besitzerwechsels Ebert,
Bernhard (jetzt)
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